Logenhaus
Druidenheim e.V.
Haus der Lessing-Loge Peine
Siebenstern
Haus der Lessing-Loge:

Architektur und Räumlichkeiten

Nähert man sich dem Logenhaus, erkennt ein aufmerksamer Betrachter neben der Symbolik an den Rundbögen und teilweise an den Fassaden die unterschiedlichen Baustile romanischen und antiken Ursprungs, die das Gebäude auf besondere Weise charakterisieren.
Die strenge Symmetrie, die Verbindung von historistischen und expressionistischen Gestaltungen gibt dem Gebäude darüber hinaus eine sehr eigene Prägung. Beim Betreten des Gebäudes tritt durch die Rekonstruktion der Räumlichkeiten das historische Ensemble von 1926 hervor, in dem Raum, Farbe, Glas und Licht in reizvoller Wechselwirkung stehen.
Das Haus ist wie alle Logen ein integrierter Bestandteil des Deutschen Druiden-Orden. Es steht im Einklang mit der druidischen Philosophie durch die Konzeption und der symbolischen druidischen Ausdruckweise.

Druidenheim
Haus der Lessing-Loge 1930

Druidische Gedanke

Bruder Rudolf Rahlfes, damaliger Vorsitzender, war die treibende Kraft zum Bau des Hauses. Dazu gründeten die Brüder der Peiner Lessing-Loge und Gunzelin-Loge nach gültigem Vereinsrecht den Druidenheim e.V.. Der neue Verein war Bauherr und wurde nach Fertigstellung als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen. Diese Situation ist bis heute erhalten geblieben. Den Brüdern war es ein Anliegen auf breiter Basis druidischen Denkens das Haus zu planen und zu bauen. Anlässlich des ersten Spatenstichs zum Bau des Hauses am 9. Oktober 1925 kam dieses Ansinnen zum Ausdruck. Bruder Kronitzer, stellvertretender Vorsitzender des Bauausschusses sagte in seiner Rede u.a.: "Meine lieben Brüder, das an dieser Stelle entstehende Druidenheim ist von Druidengeist erdacht und soll soweit als möglich durch Druidenhände erbaut werden. Es soll ernster druidischer Arbeit dienen, daneben aber auch der Geselligkeit und dem Frohsinn".

Bauzeichnung
Bauzeichnung Logenhaus 1925

Im Zeichen des Τ

Der druidische Gedanke bezog sich nicht nur auf die inhaltliche Arbeit, sondern wurde auch nach aussen in die Gestaltung des Gebäudes übertragen. Somit schufen die Erbauer in Anlehnung antiker Baukunst eine Symbiose zwischen antiker Architektur und druidischer Symbolik. Der zweigeschossige freistehende Bau ist von seiner Funktion her ausschließlich für die druidische Arbeit und gesellschaftliche Ereignisse konzipiert und erbaut worden. Er hat einen T- (bzw. Tau-) förmigen Grundriss. Der griechische Buchstabe Tau (τ , Τ) ist in vielen Initiationsriten das Symbol der Weihung und Heilung. Initiation bezeichnet die Einführung eines Außenstehenden in eine Gemeinschaft.

Grundriss
Grundriss des Logenhauses

Der Baukörper besteht aus zwei aneinander gestellten, etwa gleich großen Gebäudeteilen. Im Südteil befinden sich alle profanen Räume und im Nordteil die für die Logenarbeit genutzten. Hier entsteht auch der monumentale Eindruck eines antiken Tempels durch den hohen Giebel, stehend auf einen Gurtbogen zu beiden Seiten von je zwei Halbsäulen getragen.

In der Einladung zur Einweihungsfeier des Druidenheims vom 30. Oktober bis 1. November 1926 schrieben die Vorsitzenden der Lessing- und Gunzelin-Loge, die Brüder Rahlfes und Schöne u.a.: ..„sehr freuen aber würden wir uns, wenn aus allen Logen zahlreiche Teilnehmer erschienen, um sich mit uns an dem wohlgelungenen Werke zu freuen. Der Bau ist nicht nur eine Zierde unserer Stadt, sondern auch ein beredtes Wahrzeichen des Druidenordens, das in seiner Eigenart und Schönheit wohl als Muster gelten kann. Kommt Brüder, sehet, mehrt uns die Freude durch vielseitige Teilnahme.“

Auf und Ab

Vergleichbar mit dem Auf und Ab in einem Treppenhaus hatten die Logen und damit auch das Haus gute aber auch dunkle Zeiten zu überstehen. In den „Goldenen Zwanziger Jahren“ während der Weimarer Republik begann der Hausbau am 9.Oktober 1925, ca. ein Jahr, später am 31. Oktober 1926, erfolgte die Einweihung. Die wirtschaftliche Lage war damals sehr unsicher und die Brüder sind hohe Risiken eingegangen. Die Peiner Zeitung schrieb damals u. a.: „Mit der Fertigstellung dieses Heimes hat auch die Stadt Peine einen Neubau erhalten, der nicht nur als Schmuckstück im Stadtbild anzusehen ist, sondern auch architektonisch und künstlerisch allen Anforderungen entspricht.“
Die Politik des Naziregimes leitete am 1. Juli 1935 den absoluten Tiefpunkt ein, nicht nur für die Peiner Logen, sondern für alle Logengruppierungen in ganz Deutschland. Es war der Tag der sogenannten freiwilligen offiziellen Auflösung beider Peiner Logen (Gunzelin- und Lessingloge), als hinter dieser Tür die druidische Arbeit eingestellt werden musste. Gleichzeitig erfolgte noch die Enteignung des Hauses. Der Neuanfang begann am 25. September 1948 durch die Wiedergründung der Lessing-Loge und der Wahl von Bruder Hermann Heuer zum Vorsitzenden. Er leitete den erfolgreichen Wiederaufbau der Loge und die Rückübereignung des Logenhauses ein.

Logenhaus
Ansicht Am Silberkamp Ecke Hindenburgstraße

Die Fassade

An der Nord- und Westfassade fällt dem Betrachter sofort eine Besonderheit ins Auge: Es sind die neoromanische Rundbogenfenster, die jedoch in der Mitte durch den Sockel des Gebäudes tief eingeschnitten werden, so dass die Gesamtform der Fenster einen pilzartigen Eindruck erwecken, der auch auf die Innenansicht übertragen wird. Für Außenstehende außergewöhnlich, aber die rechteckigen Fensterreihen mit oberem gleichschenkligen dreieckigen Abschluss an der Ost- Süd- und Westfassade sind für diejenigen, die mit druidischer Symbolik vertraut sind der Hinweis auf das Sinnbild der angestrebten Vollkommenheit, bzw. oder auch auf das Leitmotiv des Druiden-Ordens „Einigkeit - Frieden - Eintracht“. Die Freiheit der künstlerischen Gestaltung war Inspiration, das Dreiecksmotiv in der Ausprägung und unterschiedlicher Darstellungen bei der Umsetzung des Hauseingangsfrieses und der Deckenfriese im Erdgeschoss variantenreich zu verwenden.

Die ursprüngliche Farbgebung

2005 entschieden die Denkmalschutzbehörde, die HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim) und die Brüder der Lessing-Loge die ursprüngliche Farbgestaltung der Räume feststellen zu lassen. Studierende unter Leitung von Prof. Ivo Hammer ermittelten die Wandfarben, dokumentierten sie und erstellten im Erdgeschoß eine Demonstrationsfläche. In diesem Zusammenhang entwickelte gleichzeitig ein Diplomand ein Restaurierungskonzept für die Fassadensanierung. Auf einer Versuchsfläche wurde das Konzept umgesetzt. Diese Ergebnisse wurden zusammen mit anderen Forschungsergebnissen der Betonsanierung, die bundesweit zusammen getragen wurden unter dem Buchtitel „Denk-mal an Beton!“ veröffentlicht.

Logenhaus
Ansicht Rückseite mit Versuchsfläche der Fassadensanierung

Mit Hilfe der Brüder und Unterstützung der HAWK Hildesheim erhielten neben dem Foyer auch beide Gesellschaftsräume die ursprüngliche Farbgestaltung zurück. Zusammen mit den ermittelten Farbtönen und Farbrezepturen, der Anwendung alter Maltechniken konnte das Farbkonzept von 1926 originalgetreu rekonstruiert werden. Das wieder erstellte Farbensemble in den Gesellschaftsräumen steht in feiner Harmonie zu den mit druidischer Symbolik versehenden Rundbogen- und beiden großen Rechteck- Glasmalereifenster an der Ost- und Westseite. Die zurück gewonnene farbliche Raumgestaltung in Kombination mit den farblichen Motiven in den Glasmalereifenstern entwickelt so eine reizvolle Wechselwirkung zwischen Raum, Glas und Licht. Neben dem Leitmotiv des Siebensterns sind es Motive druidischer Werte wie die der Fröhlichkeit, Freundschaft, Freude, Vertrauen und Geselligkeit, weiterhin pflanzlicher Motive wie Eicheln und Mispeln und darüber hinaus allegorische Motive der Geselligkeit.

Symbolische Schwerpunkte

Analog zu den Dreiecksfenstern können die Bögen der Rundbogenfenster und die auf Doppelsäulen ruhenden Gurtbögen an der West- und Ostseite auch als Rundung der Eichel verstanden werden, denn mit diesem Symbol, so war es von den Erbauern sicherlich auch beabsichtigt, sollte eine Außenwirkung erreicht werden: die Eichel ist das Symbol der Stärke und der Kraft des druidischen Wirkens.

Vorbei an Bild- und Schriftdokumenten aus der Gründungszeit 1906 und der Bauzeit des Hauses 1925/26, die an der Längswand im Foyer zu sehen sind, erreicht man über das Treppenhaus das Obergeschoß und damit die Innenloge.

Neben der Darstellung druidischer Symbolik ist zu resümieren, dass sich die Planer und Erbauer für drei symbolische Schwerpunkte entschieden:

T-(bzw. Tau-) förmige Grundriss.
Der griechische Buchstabe Tau steht für Initiation und bedeutet die Einführung eines Außenstehenden in eine Gemeinschaft.
Das gleichschenklige Dreieck
Sinnbild der angestrebten Vollkommenheit mit dem damit verbundenen Leitmotiv des Druiden-Ordens „Einigkeit-Frieden-Eintracht“.
Die Eichel, die Frucht der Eiche
Die Eichelrundung als architektonisches Gestaltungselement – eine Vorstellung, die ein Architekt in seiner Baustilbeschreibung für das Haus nicht teilen würde: in seiner Beschreibung würde er stattdessen die großen Gurtbögen und die Rundbogenfenster als neoromanisch bezeichnen. Klassischer Baustil und die druidische Symbolik miteinander zu verbinden war das Ziel der Brüder von 1925.
Die Verwendung der Eichelrundung als Gestaltungselement liegt sicherlich auch in der die Deutung des Symbols: Die Eichel weist eindringlich auf die Bedeutung der Eiche für druidisches Brauchtum hin. Aus kleinstem Samenkorn erwächst ein starker Baum. Sie ist das Symbol der kraftvollen Entwicklung aus kleinsten Anfängen.
Um der Eicheldeutung Ausdruck zu verleihen, entwickelten die planenden Brüder ein Konzept, dass das äußere Erscheinungsbild insgesamt eine starke Außenwirkung erzeugt. Diese Außenwirkung ist fest zu machen an den Gurtbögen (West-und Ostseite) beidseitig ruhend auf zwei parallel stehenden Säulen und den Rundbogenfenstern. Konzeptionell konsequent planten die Brüder starke symbolische Akzente auch nach Innen im Obergeschoss, in dem die druidische Arbeit stattfindet.
Wie eine Stafette wird die Eichelrundung auf den Weg zur Innenloge von Raum zu Raum und mit unterschiedlicher Gestaltung weitergeben, so geht die Deckenwölbung im Obergeschoss des Treppenhauses im Eingangsbereich zum Vorraum zur Innenloge über zu einer vierteiligen Wölbung. Der Eingangsbereich zum Vorraum selber hat ebenfalls die Eichelrundung.

Eingang zum Logenraum

Haus
Eingang zur Innenloge

An den Wänden des Vorraumes sind auf einer Bildtafel die Brüder der Loge zu sehen und auf der anderen Seite gedenken sie der verstorbenen Brüder. Die Brüder bereiten sich hier auf die Logensitzung vor. Bevor sie jedoch den Raum der Innenloge betreten, durchschreiten sie eine ca. einen Meter tiefe Wölbung.

Zwei markante Gestaltungsmerkmale wirken auf die Brüder beim Betreten des 82 qm großen und 5 m hohen Logenraumes:
Zum einen die sich über den gesamten Raum erstreckende halbrunde Deckenwölbung
und zum anderen die beiden Rundbogen-Glasmalereifenster an den Stirnseiten.
Der Raum ist von Ost nach West ausgerichtet, so ist der Lichteinfall bei Sitzungen am Morgen oder auch am frühen Abend in der Sommerzeit immer ein besonderes Erlebnis.

Tür
Tür mit Lessing-Zitat
Beim Verlassen des Logenraumes ist über der Tür, ebenfalls in einer Eichelrundung, der Rat unseres Namensgebers Gotthold Ephraim Lessing zu lesen: „Verschwiegenheit ist einer der vornehmsten Tugenden eines ehrlichen Mannes“.